Gesellschaftlich irrelevant – Wer gehört in den Rundfunkrat?

In Rundfunkräten sollen ja alle „gesellschaftlich relevanten Gruppen“ vertreten sein. Deshalb sind zum Beispiel im Rundfunkrat des saarländischen Rundfunk alle im Landtag vertretenen Parteien, Sportverbände, Kirchen, Wohlfahrtsverbände, Verbraucherzentrale, die Hochschulen, Lehrerverbände, Frauenverbände, Gewerkschaften, Unternehmerverbände, Handwerkskammer, Kreistag, Journalistenverband, Umweltverbände, Kulturverbände, *luftschnapp* etc.  vertreten.
Die Absicht dahinter ist die, das jeder so die Gelegenheit hat seine Ansichten, vor allem zu den Programmbeiträgen, direkt in der Rundfunkanstalt einbringen. Im dem Sinne, das alle gesellschaftlichen Gruppen auch entsprechend in den Sendungen vertreten, gewürdigt und über sie informiert wird.

Ich finde es daher begrüßenswert, das es offenbar es bald weitere Vertreter*innen für

  • „Menschen mit Behinderungen“ (Rheinland-Pfalz),
  • „Migranten“ (Hessen),
  • „Internet“ (Berlin),
  • „Vertreter der Muslime (Niedersachsen),
  • „Senioren, Familie und Frauen“ (Brandenburg) oder
  • „Brauchtumspfleger“ (Sachsen-Anhalt)

in den diversen Medien- und Rundfunkräten der Bundesländer geben soll.

Nice. Bis auf diesen dämlichen „Brauchtumspfleger“… wer kommt denn bitte auf so eine rückwärts gewandte Idee???
Aber das ist nur meine persönliche Meinung.

Also: Warum nicht auch die Lesben- und Schwulenverbände?

Deshalb macht der LSVD und das Team von „Enough is Enough“ mit einem Protestbrief an das ZDF auf diese Diskriminierung aufmerksam.
Klar unterstütze ich das Ansinnen!

Aber…
Und jetzt kommt wieder meine Strukturfrage: wer ist denn heutzutage überhaupt noch „gesellschaftlich relevant“?
Und warum?
An welchen Personengruppenvertretern richten wir ein auf (politische) Bildung ausgerichtetes öffentliches Medienunternehmen aus?

Ein soziologisch sicherlich spannendes Thema. Muss dazu mal mehr recherchieren…