Politics by Design? Zu den Möglichkeiten des „Design Thinking“ in der Politik

Politik öffentlich zu machen, zu vermitteln was warum passiert, ist eine der Kernaufgaben der Öffentlichkeitsarbeit.

Um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, braucht es bekanntlich erst einmal Inhalte, die „wir Politiker“ vermitteln wollen. Das sind zumeist Lösungsvorschläge, wie wir mit gesellschaftlichen Veränderungen, zum Beispiel der weiter auseinander klaffenden Schere zwischen Arm und Reich, umgehen wollen.
Welchen Beitrag die Methode „Design Thinking“ dazu beitragen kann, will ich Euch hier aus eigener Erfahrung mal erläutern.

Design what?

Im August 2014 hat die Piratenfraktion im Landtag des Saarlandes einen internen Workshop organisiert, um neue Wege zur Ideenfindung einzuschlagen.
Nach kurzer Diskussion haben wir uns dann für die Methode des „Design Thinking“ entschieden.
via: http://www.inknowaction.com/blog/wp-content/uploads/2010/06/system-thinking.jpg
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via: http://www.inknowaction.com/blog/wp-content/uploads/2010/06/system-thinking.jpg

Design Thinking passt zu den Piraten, weil man mit dieser Methode seine Lösungsansätze anhand der Bedürfnisse der Kunden erarbeitet. Das Design einer Brieftasche wird erst richtig besonders, wenn es eine (Bedürfnis-)Nische ausfüllt und genauer auf eine bestimmte Kundengruppe eingeht. Oder anders herum formuliert: Anhand des Brieftaschen-Beispiels wurde uns erst klar, wie verschieden die Wünsche sind und dass man mit viel Kommunikation zwar erst einmal ein Spartenprodukt entwickelt (bzw. einen Prototypen), damit aber wiederum viel besser mit den Menschen in Kontakt kommt.

Für uns war das Ziel dieses Workshops, diese Erfahrung in die politische Welt zu transportieren.

Alle Bilder: by www.katrin-mathis.de

Moderation durch Experten

Dazu haben wir nach dem üblichen Auswahlverfahren die erfahrenen Design Thinking Coaches Katrin Mathis (www.katrin-mathis.de) und Daniel Bartel (http://www.daniel-bartel.de) eingeladen, die uns methodisch durch diesen Workshop führten.
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Beide sind unglaublich umtriebig, arbeiten mit und an vielen Start-Up Veranstaltungen, Firmen, Vorträgen, etc in Deutschland und im Ausland. Solch ein Feuer und eine Leidenschaft für Neues tut gut und hilft, das eigene politische Tief wieder zu überwinden.

Start the doing

Was haben wir also gemacht? Wir haben uns einmal mit dem Selbstverständnis als Partei beschäftigt. Was für ein „Produkt“ sind wir, wie gestaltet sich die Denkmaschine Piratenpartei, an deren Ende Lösungen für die gesellschaftlichen Umbrüche hin zur Digital- und Wissensgesellschaft, zur gelebten Globalisierung und zum Umgang mit den Spannungen zwischen Reich und Arm heraus kommen sollen?
Wir haben dann mit Lego Serious Play (http://www.lego.com/de-de/seriousplay/) einen Prototypen gebaut und sind dann raus auf den Marktplatz und haben einfach mal mit den Leuten geredet. Das Prinzip erläutert und Anregungen, Vereinfachungen, Kritik direkt am Modell aufgenommen.
So funktioniert das im Prinzip. Entwickle einen Prototypen, stell ihn den Menschen vor, die es „kaufen“ sollen und verfeinere das Ergebnis.
Das gleiche Prinzip haben wir dann auf die Fragen „Wirtschaftspolitik der Piraten: Start-Ups sind unsere Zukunft“ und „Umgang mit der Schuldenbremse“ angewandt.
Gerade in der Frage nach dem Umgang mit der Schuldenbremse hat sich der Fokus von politischen Plattitüden in eine eher regierungsorientierte Agenda entwickelt. Die neue Grundfrage ist: Was würden wir tun, wenn wir für die Umsetzung verantwortlich wären?
Für mich waren die zwei Tage ein echtes Geschenk. Sie haben mir deutlich gemacht, dass es in unserer Partei bislang an Menschen mit Start-Up-Mentalität mangelt. Aber dass es auch nichts hilft, darauf zu warten, das solche Menschen beitreten und den Rest von uns mitnehmen. IMG_5030
Selbst ist der Mensch und daher heißt es (auch als Vorsatz für 2015): Auf geht’s! Packen wir es an.
Dieses Bild der Partei gilt es weiter voran zu treiben und auszubauen: Der Hub für Experimente, für neue Ideen und für den direkten Kontakt mit den Menschen, um diese Ideen zu verfeinern und umsetzbar zu machen. 
In diesem Sinne: Danke an Katrin und Daniel für den positiven Spirit und das sie immer wieder nachbohren, wie es denn nun bei uns weiter läuft. 🙂

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